Vier märchenhafte Geschichten in einem Buch

Das neue Chemnitzer Märchenbuch zeigt Fantasie, Vielfalt und Heimatverbundenheit

Antje Trapp aus dem Waldenburger Ortsteil Schwaben ist die Gewinnerin des fünften Chemnitzer Märchenwettbewerbes. Die 44-Jährige setzte sich mit ihrer Geschichte „Das Geheimnis der Nachtkatzen“ unter mehr als 40 Einsendungen durch. Christian Wobst, Verleger des Claus Verlages aus Limbach-Oberfrohna, und Marcus Lehmann, neuer Herausgeber des Chemnitzer Märchenbuches, gaben die Gewinnerin und die Platzierten jetzt bekannt. Der fünfte Band des Buches mit vier Geschichten auf 80 Seiten ist für 18 Euro im Handel erhältlich.

Gewinnerin Antje Trapp mit Herausgeber Marcus Lehmann (links) und Verleger Christian Wobst (rechts)

Kuhas“, Ritter und die Farben der Esse

Den zweiten Platz sicherte sich die 19-Jährige Lydia Gruner mit „Ritter Richard und die kuriosen Kuhas“. „Als Kind hat mir mein Vater immer Rittergeschichten von der Burg Gnandstein erzählt. Der Name Richard bezieht sich auf die Richard-Hartmann-Halle, in der die Niners einige Zeit lang ihre Basketballspiele absolvierten“, erzählt die Chemnitzerin, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Dass ihre Lieblingsmannschaft im Märchen vorkommen muss, stand für sie von Anfang an fest. Die kuriosen „Kuhas“ entstanden in Anlehnung an die Kulturhauptstadt. Sie tragen die Farben der Chemnitzer Esse. Die Leipziger Illustratorin Clara Fischer habe die „Kuhas“ genauso gezeichnet, wie sie sich diese beim Schreiben vorgestellt hat, sagt Lydia Gruner.

Ein Märchen mit Botschaft

Alexander Loße, der dritte Preisträger im Bunde, wollte mit seiner Geschichte dagegen das Stereotyp des männlichen Helden hinterfragen. „Jari ist ein Mädchen, das einsehen muss, dass es nicht schlimm ist, wenn man sich Hilfe holt, wenn man mit den eigene Kräften nicht weiterkommt“, sagt der 37-Jährige. Er ist in der Chemnitzer Literaturszene kein Unbekannter. Mit seiner Aquileria-Buchreihe, die er unter seinem Geburtsnamen Büttner veröffentlicht, lässt er Leserinnen und Leser seit 2018 in fantastische Welten eintauchen. Gerade erschien der dritte Band „Aquileria · Geschichten Band III“ (25 Euro im Buchhandel oder unter www.skalatar.de).

Schülerin mit viel Talent

Zu den jüngsten Teilnehmerinnen des Wettbewerbs gehört die 13-jährige Lea Müller, die sich mit ihrer Geschichte „Wichtel Wilma auf Suche“ den Jugendpreis sicherte. „Eigentlich hatte ich die Geschichte für meinen jüngeren Bruder geschrieben. Für das Märchenbuch habe ich sie ein bisschen angepasst und ich freue mich sehr, dass sie der Jury gefallen hat“, sagt die Schülerin.

Ein Märchen mit Herz und sozialer Botschaft

Als die Nachricht vom ersten Platz im Märchenwettbewerb bei Antje Trapp ankam, sei sie erst einmal aus dem Häuschen gewesen. „Nach der Einsendung habe ich eine ganze Weile nichts mehr gehört und hatte den Gewinn schon fast abgeschrieben“, sagt die gelernte Krankenschwester. In ihrer Titelgeschichte verarbeitet sie persönliche und berufliche Erfahrungen. „Ich arbeite schon mehr als 20 Jahre mit Antje zusammen und bin stolz darauf, dass sie mit ihrer Geschichte den Chemnitzer Märchenwettbewerb gewonnen hat“, sagt Dirk Schellenberger, Geschäftsführer der Pflege mit Herz GmbH. Verleger Christian Wobst und Herausgeber Marcus Lehmann hatten zur Pressekonferenz ganz bewusst in die Räume des Unternehmens eingeladen. „Antje Trapp zeigt mit ihrer Geschichte eindrucksvoll, wie wichtig auch für ältere Menschen die Beziehung zu Tieren ist. Ich freue mich sehr, dass wir diese Botschaft mit dem Märchenbuch jetzt auch an die jüngste Generation weitergeben können“, sagt Verleger Christian Wobst.

Alle Teilnehmer des Pressetermins (v.l.n.r.): Verleger Christian Wobst, Herausgeber Marcus Lehmann, Preisträgerin Antje Trapp, Unterstützer Dirk Schellenberger, Preisträgerin Lydia Gruner, Preisträgerin Lea Müller und Preisträger Alexander Loße.

Chemnitz in all seinen Facetten

Finanziell unterstützt wurde die Herausgabe der Märchen von der Pflege mit Herz GmbH und der Volksbank Chemnitz eG. „Als Volksbank vor Ort lebt unsere genossenschaftliche Idee davon, Gemeinschaft zu stärken und kulturelle Projekte nachhaltig zu fördern. Das Chemnitzer Märchenbuch verbindet Generationen und bewahrt ein Stück lokaler Identität. Diese Art von Engagement ist für uns ein wesentlicher Beitrag zu einem lebendigen Miteinander in unserer Region im Sinne unseres genossenschaftlichen Prinzips: ,Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele‘“, sagt Vanessa Wegner, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Volksbank Chemnitz eG.

Märchenbuch-Herausgeber Marcus Lehmann war es wichtig, dass unter seiner Ägide Geschichten entstehen, die die ganze Vielfalt und möglichst viele Orte der Stadt zeigen. „Ich glaube, Band 5 des Chemnitzer Märchenbuches erfüllt diesen Anspruch zu einhundert Prozent“, so der 37-Jährige.